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    • alfred
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        Hallo zusammen,

        wirklich selten sind nach Kolumbien adressierte Poststücke nicht, die zur Südamerikafahrt 1930 aufgeliefert wurden. Die meisten der mir bekannten Belege wurden bis Rio de Janeiro per Luftschiff, dann per Schiff nach Barranquilla und von dort per SCADTA-Flugpost nach Cali befördert.
        Einen interessanten Brief aus Liechtenstein möchte ich zeigen, der einen anderen Weg zurückgelegt hat.
        Er ist portorichtig (und phantasievoll) mit 5,00 Sfr freigemacht. Spannend ist hier die Weiterbeförderung von Recife aus nach Kolumbien.
        Im Vergleich zu meinen anderen nach Kolumbien adressierten Belegen, deren Beförderungsdauer von rund vier Wochen in Anbetracht der damaligen Möglichkeiten noch akzeptabel scheint, war dieser Brief wesentlich länger unterwegs. Der Postweg lässt sich anhand der Stempel der Zwischenstationen auf der Rückseite des Briefs verfolgen.
        Zunächst sehen wir die wie üblich undeutlich abgeschlagenen Recife-Stempel: kaum leserlich der Ankunftstempel vom 24. Mai (Recife – 4a Seccaò) sowie der kleine Ringstempel (Pernambuco) vom 27. Mai 30. Dann folgt ein Durchgangsstempel aus Belem (Pará) in der Nähe des Amazonas-Deltas, dessen Datum leider nicht leserlich ist. Dass der Brief nicht wie üblich per Dampfer nach Barranquilla befördert sondern schon in Belem ausgeladen wurde, hängt sicher mit seiner Zieladresse in Florencia zusammen: die Stadt liegt im Osten Kolumbiens jenseits des Kordilleren-Hauptkamms und wird laut Wikipedia “das Tor zum Amazonas” genannt.
        Gut möglich, dass man sich zunächst eine Beförderungsmöglichkeit Amazonas-stromaufwärts überlegte, was aber offenbar wieder verworfen wurde, denn der nächste Stempel stammt aus der Hafenstadt Buenaventura an der Pazifikküste (!) Kolumbiens vom 9. Juli 1930. Offensichtlich war der Transport aus Barranquilla nach Buenaventura (wohin es eine SCADTA-Linie gab) günstiger als über Cali, denn schon einen Tag später erreichte der Brief am 10. Juli den Ort Popayan.
        Jetzt lag „nur noch“ der Hauptkamm der Zentralkordillere zwischen dem Brief und seinem Ziel, offenbar aber ein schier unüberwindliches Hindernis: volle 12 Tage dauerte es, bis er am 22. Juli Garzon in der Nähe von Florencia erreichte.
        Hier gehe ich davon aus, dass sich die Ordensschwester Madre Estefania über den schönen Brief aus Europa freute – für mich ist es von daher ein Bedarfsbrief!

        Viele Grüße
        Alfred

        PS: ich habe zunächst versucht, die beiden Scans in den Text einzufügen, was aber zur Nachricht “Sie sind nicht befugt … ” (oder ähnlich) führte. Vielleicht klappt es ja so …

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      • alfred
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          Hallo zusammen,

          im Vergleich mit der nach Europa und Amerika beförderten Luftschiffpost findet man zumindest bei den frühen Zeppelinfahrten von LZ 127 wesentlich seltener nach Asien adressierte Briefe und Karten.

          In Recife (Pernambuco) wurde eine Postkarte aufgeliefert, die zunächst mit ‚Graf Zeppelin‘ nach Friedrichshafen befördert wurde – dafür portorichtig frankiert mit der 5-Milreis Condor-Marke MiNr. ZP1 plus einer 300 Reis VoVo-Marke für die brasilianische Staatspost. Der Michelkatalog führt diese Belege unter Nr. 68 B)a. und nennt die beförderte Stückzahl von 5.387 Postkarten und 8.025 Briefen, also bestimmt keine Seltenheit!

          Aber die Besonderheit – weshalb ich die Karte in meiner Sammlung „brauchte“, ist die Zieladresse: sie wurde von Friedrichshafen aus vermutlich terrestrisch bis nach Margil, einem Stadtteil von Basra im Irak weiterbefördert, wo sie nach vierwöchiger Laufzeit – davon 14 Tage ab Friedrichshafen – am 20. Juni ankam.

          In die gleiche Richtung wurde ein Brief befördert, der am 2. Juni im New Yorker Postamt Varick Station  zur Heimfahrt ‚Graf Zeppelins‘ aus Lakehurst nach Friedrichshafen aufgeliefert wurde – Michelnr. 68 J)b., wo er zusammen mit der Karte in den Irak am 6. Juni ankam. Neben der portorichtigen Frankatur mit der amerikanischen Sondermarke MiNr. 327 wurde zusätzlich eine 15-Cent-Flugpostmarke frankiert, mit der die Weiterbeförderung nach der Stadt Rascht im Süden Persiens (heute: Iran) per Flugzeug bewirkt werden sollte.

          Ob dies gelungen ist und ob es sich demnach um einen Kombinationsbeleg „Luftschiffpost–Flugpost“ handelt, dafür gibt es zwar keinen direkten Nachweis durch einen entsprechenden Stempel, aber die Tatsache, dass der Brief für die größere Entfernung von Friedrichshafen aus als nach Basra einige Tage weniger lang unterwegs war – er erreichte sein ziemlich abgelegen liegendes Ziel nach 10 Tagen am 16. Juni 1930 – macht es doch recht wahrscheinlich.

          Natürlich wäre ich sehr dankbar, wenn mir ein Sammlerfreund mit entsprechender Literatur oder know how bezüglich der Flugverbindungen zwischen Deutschland und dem Iran in den 1930er Jahren hier mit einer Auskunft helfen könnte!

          Herzliche Grüße, Alfred

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        • alfred
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            Hallo zusammen,

            noch seltener als nach Asien wurde nach meiner Erfahrung Post nach Afrika bei der Südamerikafahrt 1930 befördert.

            Mein mit 4 RM korrekt frankierter Brief sollte gemäß Leitwegsvorgabe über Santa Cruz de Tenerife abgeworfen werden: Michelnr. 63 I)b.

            Der Abwurf erfolgte stattdessen erst am 21. Mai 1930 über Praia, der Hauptstadt der Kapverden auf der Insel Santiago.

            Dort war nach dreitägiger Laufzeit knapp die Hälfte der Entfernung zum adressierten Ziel, der Stadt Bloemfontein in Südafrika zurückgelegt. Allerdings dauerte die „restliche“ Strecke, die Schiffsreise von Praia aus bis nach Südafrika wesentlich länger: erst am 1. Juli wurde das Ziel erreicht. Der Tatsache, dass der Empfänger inzwischen nach Pretoria umgezogen war und die Post entsprechend weitergeleitet werden musste, haben wir es zu verdanken, dass in Bloemfontein ein Durchgangsstempel abgeschlagen wurde und so die Beförderungszeit bekannt ist.

            Herzliche Grüße, Alfred

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          • alfred
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              Hallo zusammen,

              eine weitere nicht alltägliche Zieladresse eines Zeppelinpost-Briefs möchte ich noch zeigen:

              nach der Beförderung per Condor-Flugboot von Rio de Janeiro nach Recife brachte ihn ‘Graf Zeppelin’ auf seiner Etappe nach Lakehurst (Fahrt 66).

              Frankiert wurden portorichtig 10 Milreis mit dem Provisorium ZP8 als Luftschiff-Gebühr für einen Brief bis 10 Gramm plus 300 Reis Staatspost-Porto für einen inneramerkanisch (!) beförderten einfachen Brief. (Michelnummer 66 B)h.)

              Im Porto enthalten war die Weiterbeförderung nach Tanjung Balai in Sumatra, damals Niederländisch Indien.

              Viele Grüße, Alfred

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            • alfred
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                Hallo zusammen,

                zwei Briefe des enthusiastischen Aerophilatelisten Postinspektor a.D. Otto Krenge aus Braunschweig möchte ich zeigen, die er an die Sammelstellen für Zeppelinpost verschiedener Länder schickte, die aber ein gemeinsames Ziel hatten: seinen prominenten Bekannten W. Bruggmann , den “Vater der philippinischen Aerophilatelie in Manila. Wer wie ich frühe Post des LZ127 sammelt, kennt ganz sicher Otto Krenge und ist ihm dankbar für seine schönen Belege!

                Bis Pernambuco, wohin Krenge die Luftschiff-Beförderung vorgegeben hatte, waren  beide Briefe gemeinsam unterwegs: Ankunft in Recife am 23.5.30. Nachdem sie dort bei der Condor-Agentur bis zur Rückkunft des Luftschiffs aus Rio (laut Recife-Poststempel 27.5.30) zwischengelagert worden waren (Belegbeschreibung und hohe Bewertung früher: „Pernambuco 1. und 2. Landung RR!“), ging wohl bei dem Brief aus den Niederlanden etwas schief: offensichtlich verpasste er den wöchentlichen Dampfer aus ??? zu den Philippinen und traf erst eine Woche später – am 25. statt am 18. Juli 1930 in Manila ein.

                Vielleicht hat jemand eine Idee, welchen Weg die Briefe machten. Terrestrisch zum Pazifik? Per Dampfer durch den Panamakanal?

                Viele Grüße, Alfred

                • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahren, 8 Monaten von alfred. Grund: Link Bruggmann ergänzt
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              • alfred
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                  Hallo zusammen

                  So fing meinen erster Beitrag an:

                  wirklich selten sind nach Kolumbien adressierte Poststücke nicht, die zur Südamerikafahrt 1930 aufgeliefert wurden.

                  Das passt sinngemäß auch hier:

                  wirklich selten ist die mit ‚Graf Zeppelin‘ bei der SAF 1930 beförderte Post nach Chile nicht.

                  Aber warum der Absender aus der Schweiz für seinen Brief nach Temuco  im Süden Chiles den Leitweg „bis Lakehurst“ vorgab und ihn daher mit 9,50 SFr frankieren musste (statt mit 5 SFr nach Brasilien), das lässt entweder mangelhafte geografische Kenntnisse vermuten oder er freute sich über die attraktiveren Frankaturmöglichkeiten.

                  Auf eine schnelle Beförderung kam es ihm jedenfalls nicht an: die über Rio nach Chile beförderte Post kam schon eine Woche früher an.

                  Viele Grüße, Alfred

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                • alfred
                  Teilnehmer
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                    Hallo zusammen,

                    eigentlich ist es eine eher unscheinbare Postkarte, die ich kürzlich bei einem französischen e-Bay-Verkäufer fand. Ganz „aktenfrisch“ ist sie sicher nicht; die „Gebrauchsspuren“ sind unübersehbar, aber immerhin gehört sie zu den 10% der brasilianischen Poststücke zur SAF 1930, die nicht in Rio oder Recife aufgeliefert wurden sondern in Sao Paulo. Außerdem wurde die „falsche“ 5-Milreis-Marke (mit USA-Aufdruck) für die Beförderung nach Deutschland verwendet. Aber beides hat mich nicht veranlasst, den geforderten ambitionierten Preis – fast 100% Michel-Bewertung – zu akzeptieren. Wenn da nicht die Adresse wäre …..

                    Viele Grüße, Alfred

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                  • klaus
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                      Beitragsanzahl: 166

                      Hallo Alfred, Hallo Zeppelinfreunde,

                      ein wirklich spannendes Theama hast du hier angeschnitten, lieber Alfred!

                      Hier könnten folgende Belege des bekannten Herren: William Bateman Leeds Jr. passen. Leeds war wohl damals wirklich eine schillerende Persönlichkeit und ist den Sammlern der Weltrundfahrt und der Südamerikafahrt 1930 sicherlich ein Begriff. Er war Passagier auf den beiden bedeutenden Fahrten und hat auch, ab und an, Postkarten an seine Geschäftspartner und Bekannten geschrieben. Meist mit recht einheitlichen Text mit den Grüßen zur jeweiligen Fahrt.

                      Meine beiden Karten sind aber doch etwas “eigenwilliger”. Eine davon war nach Kanada, die andere nach Honolulu / Hawai bestimmt. Sicherlich keine alltäglichen Adressen zu dieser Zeit.

                      Viele Grüße Klaus und Beibt Gesund!

                      P.S. Bei “Honolulu” fällt mir der bekannte chinesische Detektiv Charlie Chan, aus meiner Jugend ein, der damals durchweg in scharz/weiss in Hawai für Recht und Ordnung sorgte.

                      In der Folge: “Charlie Chan bei den olympischen Spielen” vom Jahre 1937, war er sogar Passagier an Bord der Hindenburg und nutzte somit die damals schnellste Möglichkeit zu reisen!

                       

                       

                       

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