alfred
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    Hallo zusammen,

    eigentlich ist hier schon alles gesagt – nur noch nicht von jedem!

    @aviator:

    Ich frage deshalb, weil die „Landung“ in Rio um 11,25 Uhr und der „Start“ um 12,40 Uhr war. Eigentlich genug Zeit um den Fehler (z.B. beim Rio stempeln) zu bemerken und wenigstens einen Teil wieder an Bord zu bringen.

    Nein. Dafür war keine Zeit: sicher kennst du Hugo Eckeners „Über Länder und Meere“, vielleicht auch Breithaupts „Mit Graf Zeppelin nach Nord- und Südamerika“, wo von den Augenzeugen die Landung in Rio de Janeiro am frühen Morgen des 25. Mai 1930 beschrieben wird. (Die Zeitangaben in den Katalogen sind GMT, die Ortszeit der Landung war 7:25 Uhr). Wir wissen, dass der Landeplatz, das Campo des Alfonsos, ein Militärflug-Übungsplatz ohne jede Infrastruktur für das Luftschiff war, der 30 km nordwestlich vom Zentrum von Rio de Janeiro lag. Eckener beschreibt auch die “verstopften” Straßen zum Landeplatz, weil sich „Hunderttausende auf den Weg machten“. Auch die Tatsache, dass sich Eckener nach eigener Aussage erst am Abend des 24. Mai entschloss, in Rio kurz zu landen, macht es mehr als unwahrscheinlich, dass man bezüglich Postaustauschs direkt beim Luftschiff irgendwelche Vorkehrungen getroffen hatte.

    Nein, dass in Rio der Weg zum Postamt und zurück ins Luftschiff innerhalb einer Stunde zurückgelegt wurde, ist auszuschließen.

    @eckenerecki:

    Wie gesagt, können beide Theorien möglich sein, auf Grund der Umstände neige ich aber eher der Theorie der Nachstempelung zu.

    Ja, darüber waren wir uns immer einig, auch wenn das postgeschichtlich ziemlich traurig wäre. Aber :

    @aviator:

    Schau Dir bitte einmal die Kopien, so wie ich die zusammengefügt habe und natürlich besonders den Ankunftsstempel Romanshorn vom 7.6.30 (links unten auf der Schweizer Karte) noch einmal in Ruhe an.

    Eines ist klar: wenn einem von uns der Romanshorn-Ankunftstempel aufgefallen wäre, dann wäre die „Schweiz/DR-Karte“ der MiNr. 68c noch deutlich teuerer geworden …

    Und zwar nicht wegen, sondern trotz der Lehmann-Unterschrift, die ja auf die Beteiligung eines Besatzungsmitglieds hindeutet.

    Bei einem längeren Telefongespräch zu diesem Thema haben wir eine eigentlich ganz plausible Lösung gefunden: am späten Vormittag des 25. Mai kamen die 10.125 (-> laut Leder: Zeitung „O Paiz“ vom 28.5.1930) aus dem Luftschiff entladenen Karten und Briefe im für die Flugpost zuständigen Postamt an und erhielten den violetten „Correio Aereo“-Stempel als Ankunftstempel. Erstaunlicher Weise erkannte man nur bei einem kleinen Teil der aus Berlin stammenden Rundfahrtpost den Fehler der zu frühen Entladung. Für die erkannten Belege war aber jetzt noch Zeit, sie per Flugzeug nach Recife dem Luftschiff nachzuschicken, da dieses ja noch zwei Tage lang In Recife Aufenthalt hatte. Anhand Dieter Leders gut recherchierter Informationen im „Zeppelin Post Journal“ (2014) zu den „Anschlussflügen in Südamerika zur Südamerikafahrt 1930“  halte ich es für am wahrscheinlichsten, dass die Belege dem aus Argentinien kommenden Sonderflug der Aéropostale  – bei Leder dem 21. Anschlussflug – mitgegeben wurden.  Aber auch mit Condor-Flugbooten bestand noch die Möglichkeit, sie rechtzeitig vor der Weiterfahrt ‚Graf Zeppelins‘ nach Lakehurst bis zum 27. Mai nach Recife zu bringen.

    Obwohl die terrestrische Beförderung nach Europa zeitlich gesehen vom 25. Mai bis zum 6. Juni durchaus möglich gewesen wäre, ist aufgrund des als Durchgangsstempel abgeschlagenen Stempels aus Friedrichshafen auf der bei Corinphila aufgetauchten Karte die Möglichkeit der Weiterbeförderung per Luftschiff ab Recife mit Abstand am wahrscheinlichsten. Das bedeutet auch, dass der Postweg eigentlich nicht unterbrochen war.

    Jetzt haben wir aber ein Problem: müssen wir jetzt unsere zu früh ausgeladenen Rundfahrtbriefe aus Berlin wieder bei der MiNr. 64 einordnen? Letztlich stimmt das Kriterium für eine “eigene Nummer” nicht mehr, dass die gesamte Post fehlgeleitet wurde. Ich tendiere allerdings eher dazu, diese sehr spezielle Variante in zukünftigen Auflagen (??) als „Besonderheit“ zu bezeichnen.

    Viele Grüße, Alfred