Episoden und Besonderheiten aus der Historie
des Zeppelin-Luftschiffs LZ 17 „Sachsen“

Teil I

Mit der Baunummer LZ 17 wurde das Luftschiff „Sachsen“ ab dem 04. Mai 1913 im Dienst der DELAG (Deutsche Luftschifffahrt Aktiengesellschaft) für Fahrten mit Passagieren eingesetzt. Als am 22. Juni 1913 die damals weltgrößte Halle in Leipzig auf dem Gelände in Mockau fertig war und eingeweiht wurde, war damit der erste ständige Standort für dieses Luftschiff gefunden. Von hier aus gab es zahlreiche Rundfahrten und sogenannte Zielfahrten zu bestimmten Orten im Land Sachsen und darüber hinaus. Neben geladenen Gästen und Beobachtern des Militärs gab es reges Interesse an den Fahrten, die in den Büros der HAPAG Lloyd gebucht werden konnten. Mit den Preisen von 100,00 bis 250,00 Reichsmark konnte es sich aber nicht Jedermann leisten. Kein Wunder also, dass es die Unternehmer, Beamte oder andere wohlhabende Bürger waren, die sich eine Fahrkarte kaufen konnten.

Hünlich, Carl Albert

Am 16. Juli 1913 erwarb der Unternehmer Albert Hünlich (Bild-Porträt) aus Wilthen im Büro der Gesellschaft in Leipzig eine solche Fahrkarte (Bild) für eine Rundfahrt über Leipzig für den 20. Juli. Da diese Fahrt wegen schlechtem Wetter nicht an dem Tag stattfinden konnte, wurde das Datum auf den 27. Juli 1913 geändert. Der Preis waren stolze 200,00 RM und die Fahrt führte nach Zittau. Es war der dritte „Anlauf“ zum Besuch der Stadt in der Oberlausitz. Tausende Schaulustige drängten sich dort.

 

Von Bord schickte Albert Hünlich mehrere Karten an die Familie, Bekannte und Mitarbeiter. Die Bordpostkarte (Bild) mit Bordstempel und Bordpoststempel ist an einen seiner Fabrikarbeiter in Wilthen adressiert. Auf der Bildseite ist das Luftschiff über einem Landeplatz abgebildet (Bild).

Das Unternehmen in Wilthen ist der noch heute existierende und sehr gut bekannte Hersteller des „Wilthener Weinbrands“. Von seinem Vater 1842 gegründet, hat er diese Firma übernommen. Eine interessante geschichtliche Ergänzung ist der Kopfbogen einer Lieferung und Rechnung aus dem Jahr 1927, auf dem oben eine Zeichnung des Werkgeländes zu sehen ist. (Bild)

Ganz links ist darauf eine große Halle mit gebogenem Dach zu erkennen. Hierbei handelt es sich um etwa ein Drittel der ehemaligen Luftschiffhalle vom Flugplatz in Dresden-Kaditz. Nach dem I. Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag festgelegt, dass die Luftschiffhallen zu demontieren oder abzubrechen sind. Über eine Gesellschaft erfolgte teilweise ein Verkauf. Da die Hallen nicht in alter Größe und nicht mit der bisherigen Firsthöhe wiederaufgebaut werden durften, erwarb Albert Hünlich eben ein Drittel und lies es in dieser kleinen Form als Weindestillathalle bei sich aufbauen.

Noch heute steht diese Halle in Wilthen (Bild). Leider ist sie jetzt schon mehrere Jahre sehr baufällig und wird nicht mehr genutzt. Das Schild an Haus 6 weist mit dem Namen „Zeppelinhalle“ (Bild) aber immer noch auf die Herkunft hin.

Erhard Rothbauer

 

Beeskow, 16.04.2020